Backups gehören zu den wichtigsten Bestandteilen jeder Virtualisierungsumgebung. Gerade bei produktiven Proxmox-VE-Clustern reicht es nicht aus, gelegentlich eine vollständige Sicherung auf ein lokales Laufwerk zu schreiben. Gefragt sind kurze Backup-Fenster, effiziente Speichernutzung, regelmäßige Integritätsprüfungen und vor allem ein verlässlicher Restore, wenn er tatsächlich benötigt wird.
Mit dem Proxmox Backup Server (PBS) stellt Proxmox eine speziell auf Proxmox VE abgestimmte Backup-Plattform bereit. Sie kombiniert inkrementelle Sicherungen, Deduplizierung, Kompression, Verschlüsselung, Aufbewahrungsregeln und Verifikation in einer zentral verwaltbaren Lösung.
Die aktuelle Produktgeneration ist Proxmox Backup Server 4.x. Version 4.2 wurde im April 2026 veröffentlicht und basiert auf Debian 13.4. Unter anderem wurden Datastore-Organisation, Sync-Jobs und S3-basierter Storage weiterentwickelt. Proxmox
Was ist Proxmox Backup Server?
Proxmox Backup Server ist eine eigenständige Open-Source-Backup-Lösung für virtuelle Maschinen, Linux-Container und weitere Datenquellen.
In Verbindung mit Proxmox VE lässt sich PBS direkt als Backup-Ziel hinterlegen. Anschließend können geplante Sicherungsjobs für einzelne VMs, Container oder komplette Gruppen eingerichtet werden.
Der große Vorteil gegenüber einfachen Vollsicherungen besteht darin, dass PBS speziell für wiederkehrende Backups großer virtualisierter Umgebungen entwickelt wurde.
Wie funktioniert ein Backup mit PBS?
Proxmox Backup Server erstellt nicht jedes Mal eine vollständig neue Kopie einer VM.
Stattdessen werden Änderungen effizient übertragen und die Daten auf dem Backup Server dedupliziert. Dadurch müssen bei wiederkehrenden Backups im Regelfall nur neue oder geänderte Daten über das Netzwerk übertragen und zusätzlich gespeichert werden.
Trotzdem stellt jeder Sicherungsstand aus Sicht des Restores einen vollständigen Wiederherstellungspunkt dar. Proxmox beschreibt das selbst als inkrementelle Übertragung mit serverseitiger Deduplizierung. pbs.proxmox.com
Das ist gerade bei großen VMs und häufigen Backups interessant, weil sowohl Netzwerkbandbreite als auch Speicherplatz geschont werden können.
Inkrementelle Backups und Deduplizierung
Viele Daten innerhalb virtueller Maschinen ändern sich zwischen zwei Backup-Läufen überhaupt nicht.
Betriebssystemdateien, Anwendungen und große Teile der installierten Software bleiben identisch. PBS zerlegt die Daten in Chunks und speichert identische Datenblöcke nicht mehrfach.
Dadurch kann der tatsächlich benötigte Speicher deutlich geringer ausfallen als die Summe aller logischen Backup-Größen.
Allerdings sollte man bei der Kapazitätsplanung nicht mit einem festen Deduplizierungsfaktor rechnen. Wie groß die Einsparung tatsächlich ist, hängt stark von den Daten und ihrer Änderungsrate ab.
Kompression
Zusätzlich zur Deduplizierung verwendet PBS Zstandard-Kompression.
Dadurch lässt sich der Speicherbedarf weiter reduzieren. In Kombination mit inkrementeller Übertragung und Deduplizierung eignet sich PBS besonders gut für häufig wiederkehrende VM- und Container-Backups. Proxmox nennt Zstandard ausdrücklich als verwendeten Kompressionsmechanismus. pbs.proxmox.com
Verschlüsselung und sichere Übertragung
Die Kommunikation zwischen Client und Backup Server erfolgt über TLS.
Zusätzlich unterstützt Proxmox Backup Server eine clientseitige Verschlüsselung mit AES-256-GCM. Die Backup-Daten können also bereits verschlüsselt werden, bevor sie den Backup Server erreichen. pbs.proxmox.com
Das ist insbesondere interessant, wenn der Backup Server außerhalb der eigenen Infrastruktur betrieben wird.
Wichtig ist dabei allerdings das Schlüsselmanagement. Geht der benötigte Verschlüsselungsschlüssel verloren, sind die verschlüsselten Backups nicht mehr wiederherstellbar. Der Schlüssel sollte deshalb unabhängig vom PBS sicher aufbewahrt werden.
Datenintegrität und Verify Jobs
Ein Backup-Job mit dem Status „erfolgreich“ bedeutet noch nicht automatisch, dass die Daten Monate später garantiert fehlerfrei gelesen werden können.
Proxmox Backup Server bietet deshalb Verify Jobs.
Dabei werden die gespeicherten Daten anhand von Prüfsummen überprüft. Ein Backup enthält unter anderem ein Manifest mit Checksummen der enthaltenen Dateien. pbs.proxmox.com
Verify Jobs lassen sich automatisiert ausführen und sollten bei wichtigen Datastores fester Bestandteil der Backup-Strategie sein.
Das beantwortet allerdings nur eine von zwei Fragen:
Ist das Backup technisch intakt?
Zusätzlich sollte regelmäßig geprüft werden:
Kann ich das System tatsächlich wiederherstellen?
Ein Restore-Test bleibt deshalb unverzichtbar.
Retention, Prune und Garbage Collection
Mit der Zeit entstehen viele Sicherungsstände.
PBS bietet flexible Aufbewahrungsregeln. So lässt sich beispielsweise definieren, wie viele stündliche, tägliche, wöchentliche, monatliche oder jährliche Backups erhalten bleiben sollen. pbs.proxmox.com
Dabei spielen zwei Mechanismen eine wichtige Rolle.
Prune entfernt Backup-Snapshots entsprechend der definierten Retention-Regeln.
Garbage Collection entfernt anschließend Datenblöcke, die von keinem verbleibenden Backup mehr benötigt werden.
Eine sinnvolle Retention-Strategie hängt unter anderem von Datenmenge, Änderungsrate, gesetzlichen Anforderungen und dem gewünschten Wiederherstellungszeitraum ab.
Restore: Das Backup zählt erst, wenn die Wiederherstellung funktioniert
Im Ernstfall ist der Restore wichtiger als der Backup-Job.
Mit PBS lassen sich komplette VMs und Container wiederherstellen. Darüber hinaus stehen Werkzeuge für die Wiederherstellung einzelner Dateien und Verzeichnisse aus VM-, Container- und Host-Backups zur Verfügung. pbs.proxmox.com
Das ermöglicht beispielsweise:
- vollständige Wiederherstellung einer VM,
- Restore eines Containers,
- Wiederherstellung einzelner Dateien,
- Auswahl eines älteren Sicherungsstands,
- Test-Restores zur Überprüfung der Backup-Strategie.
Gerade bei geschäftskritischen Systemen sollte ein Restore regelmäßig geprobt werden.
PBS in Proxmox VE einbinden
Die Integration in Proxmox VE ist vergleichsweise unkompliziert.
Im Proxmox-Datacenter wird der PBS als Storage hinzugefügt. Benötigt werden dabei unter anderem:
- Adresse des Backup Servers,
- Datastore,
- Benutzer beziehungsweise API-Token,
- Passwort oder Token-Secret,
- Server-Fingerprint.
Danach kann PBS wie ein reguläres Backup-Ziel in Proxmox VE verwendet werden.
Backup-Jobs lassen sich zentral planen und für einzelne VMs, Container oder Gruppen konfigurieren.
Was ist ein Datastore?
Die eigentlichen Backups werden in sogenannten Datastores gespeichert.
Ein Proxmox Backup Server kann mehrere Datastores verwalten. Die aktuelle Implementierung unterstützt Datastores auf Verzeichnissen innerhalb von unter anderem ext4-, XFS- oder ZFS-Dateisystemen. pbs.proxmox.com
Für jeden Datastore lassen sich individuell konfigurieren:
Retention-Regeln, Garbage Collection, Verify Jobs, Sync Jobs und Berechtigungen.
Damit können beispielsweise unterschiedliche Backup-Konzepte für verschiedene Kunden, Systeme oder Aufbewahrungsanforderungen umgesetzt werden.
Wie viel Speicher benötigt PBS?
Diese Frage lässt sich nicht einfach mit:
Produktivdaten × Anzahl der Backups
beantworten.
Entscheidend sind unter anderem Datenmenge, Änderungsrate, Retention, Komprimierbarkeit, Deduplizierung und zukünftiges Wachstum.
Eine VM mit 500 GB virtueller Disk belegt möglicherweise deutlich weniger tatsächlichen Speicher. Gleichzeitig kann eine stark veränderliche Datenbank deutlich höhere Backup-Wachstumsraten erzeugen als ein weitgehend statischer Webserver.
Die Backup-Kapazität sollte deshalb immer mit Reserve geplant werden.
Besonders wichtig: Deduplizierung und Kompression sollten als Bonus betrachtet werden und nicht als garantierte Einsparung.
Hardware und Performance
Für produktive PBS-Systeme empfiehlt Proxmox aktuell eine moderne 64-Bit-CPU mit mindestens vier Kernen und mindestens 4 GiB RAM für Betriebssystem, Cache und PBS-Dienste. Je nach Speichergröße und Dateisystem kann zusätzlicher RAM sinnvoll beziehungsweise erforderlich sein. PBS System Requirements
Auch die Storage-Performance spielt eine wichtige Rolle.
Viele PBS-Operationen erzeugen Random-I/O. Gerade Verify Jobs, Garbage Collection und parallele Backups profitieren deshalb von schnellem Storage mit guten IOPS.
Proxmox empfiehlt für produktive Systeme schnellen lokalen Storage und nennt Enterprise-SSDs als bevorzugte Variante. pbs.proxmox.com
Offsite Backup und 3-2-1-Regel
Ein Backup Server im selben Rack oder sogar im selben Cluster wie das Produktivsystem schützt nur gegen einen Teil der möglichen Ausfälle.
Fehlkonfigurationen, kompromittierte Administrationszugänge, Ransomware, Brand, Wasserschäden oder der Ausfall eines kompletten Standorts können im schlimmsten Fall Produktion und Backup gleichzeitig betreffen.
Deshalb sollte PBS Bestandteil eines größeren Backup-Konzepts sein.
Eine bewährte Orientierung ist die 3-2-1-Regel:
mehrere Kopien der Daten, unterschiedliche Speichertechnologien beziehungsweise Systeme und mindestens eine Kopie außerhalb des primären Standorts.
Dazu habt ihr bereits einen passenden internen Artikel:
3-2-1-Backup-Regel – Backups im Firmenumfeld richtig planen
Den würde ich hier unbedingt intern verlinken.
Remote Sync und zweiter Standort
Proxmox Backup Server kann Datastores zwischen mehreren PBS-Instanzen synchronisieren.
Sync Jobs lassen sich zeitgesteuert ausführen. Dabei werden nur neue beziehungsweise benötigte Daten übertragen. Proxmox
Ein typisches Szenario wäre:
Produktivstandort → lokaler PBS → zusätzlicher PBS an externem Standort.
Damit kann ein zweiter Standort Bestandteil einer Disaster-Recovery-Strategie werden.
S3 und Tape
PBS unterstützt inzwischen auch weitere Storage-Konzepte.
Mit Proxmox Backup Server 4.0 wurde native Unterstützung für S3-kompatiblen Objektspeicher eingeführt; mit PBS 4.2 wurden diese Funktionen weiter ausgebaut. Proxmox
Für langfristige Archivierung unterstützt PBS außerdem Tape-Backup und Tape Libraries. pbs.proxmox.com
Damit lässt sich PBS auch in umfangreichere Backup- und Archivierungskonzepte integrieren.
PBS ersetzt keine Backup-Strategie
Proxmox Backup Server stellt viele technische Werkzeuge bereit. Die Software alleine macht aber noch kein gutes Backup-Konzept.
Vor dem produktiven Einsatz sollten mindestens folgende Fragen geklärt sein:
RPO: Wie viel Datenverlust ist maximal akzeptabel?
RTO: Wie schnell müssen Systeme wieder verfügbar sein?
Retention: Wie lange müssen Sicherungsstände aufbewahrt werden?
Offsite: Existiert eine räumlich getrennte Sicherung?
Verschlüsselung: Wo liegt der Schlüssel?
Verifikation: Wie häufig werden Backups geprüft?
Restore-Test: Wann wurde zuletzt tatsächlich eine Wiederherstellung durchgeführt?
Erst wenn diese Punkte beantwortet sind, wird aus einem Backup-Server eine belastbare Backup-Strategie.
PBS als externes Backup-Ziel
Nicht jedes Unternehmen möchte eigene Backup-Hardware beschaffen, betreiben und überwachen.
Gerade wenn der eigene Proxmox-Cluster bereits lokal betrieben wird, kann ein extern bereitgestellter Proxmox Backup Server sinnvoll sein. Dadurch befinden sich Produktivumgebung und Backup-Ziel nicht zwangsläufig im gleichen Infrastruktur- und Ausfallbereich.
Besonders wichtig ist dabei eine passende Speicherkapazität.
Da der benötigte Speicher je nach Datenbestand, Änderungsrate und Retention sehr unterschiedlich ausfällt, ist eine flexibel wählbare Backup-Disk sinnvoller als eine starre Einheitsgröße.
Proxmox Backup Server von dimensio informatics
Wer PBS als externes Backup-Ziel nutzen möchte, ohne dafür selbst zusätzliche Hardware bereitzustellen, kann bei dimensio informatics einen Proxmox Backup Server mit flexibel wählbarer Backup-Disk bereitstellen lassen.
Die Backup-Kapazität lässt sich passend zur eigenen Umgebung und zur gewünschten Aufbewahrungsstrategie auswählen.
Der bereitgestellte PBS kann anschließend als Backup-Ziel in die bestehende Proxmox-VE-Infrastruktur eingebunden werden.
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Sie sind unsicher, wie viel Backup-Speicher Sie benötigen? Wir unterstützen gerne bei der Dimensionierung auf Basis von Datenbestand, Änderungsrate und gewünschter Aufbewahrungsdauer.
FAQ zum Proxmox Backup Server
Ist Proxmox Backup Server kostenlos?
Ja. PBS ist Open Source und kann grundsätzlich ohne Lizenzkosten eingesetzt werden. Proxmox bietet zusätzlich kostenpflichtige Subscriptions mit Enterprise Repository und professionellem Support an.
Sind PBS-Backups inkrementell oder vollständig?
Die Datenübertragung erfolgt inkrementell und die Daten werden serverseitig dedupliziert. Jeder Sicherungsstand kann dennoch als vollständiger Wiederherstellungspunkt verwendet werden. pbs.proxmox.com
Kann ich einzelne Dateien wiederherstellen?
Ja. PBS unterstützt Werkzeuge für die Wiederherstellung einzelner Dateien und Verzeichnisse aus VM-, Container- und Host-Backups. pbs.proxmox.com
Wie oft sollte PBS sichern?
Das richtet sich nach dem gewünschten RPO. Wenn höchstens eine Stunde Datenverlust akzeptabel ist, sollte die Backup-Frequenz entsprechend gewählt werden.
Reicht ein PBS am selben Standort?
Für viele Ausfallszenarien hilft ein lokaler PBS bereits. Gegen Standortausfall oder gemeinsame administrative Risiken ist aber eine zusätzliche räumlich getrennte Kopie sinnvoll.
Wie groß sollte die Backup-Disk sein?
Das hängt von belegtem Datenvolumen, Änderungsrate, Retention, Deduplizierung, Kompression und erwartetem Wachstum ab. Eine pauschale Formel gibt es nicht.
Sollte man PBS-Backups regelmäßig testen?
Ja. Verify Jobs prüfen die technische Integrität. Zusätzlich sollten regelmäßig echte Restore-Tests durchgeführt werden.